Indien – ein Land für Auswanderer?

Nicht nur für Auswanderer ist Indien ein exotisches Reiseziel. Denn Urlauber aus aller Welt planen ihren Urlaub gerne auf dem indischen Subkontinent. Auch wer Arbeit und Leben hier verbringen möchte, findet eine aufstrebende Wirtschaftsmacht vor. Neben den Märkten in Brasilien, Russland und China glauben viele Experten, dass sich das Land in den kommenden 10 Jahren an die Wirtschaft in Europa, Japan und den USA angenähert haben wird. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen darüber nachdenken, ihren Lebensmittelpunkt nach Indien zu verlegen. Doch was gibt es zu beachten und wie modern ist das Land heute?

Eigentlich ist das Bild ein anderes. Denn Indien ist mehr ein Auswanderungsland als ein klassisches Einwanderungsland. So bringt das Land etwa eine Vielzahl IT-Spezialisten hervor, die oft als Expats in anderen Staaten ihr Geld verdienen. Schließlich lässt sich verglichen mit dem Ausland deutlich mehr verdienen, als in Indien selbst. Denn das durchschnittliche Einkommen der IT-Branche ist im Vergleich zu vielen europäischen Ländern recht niedrig.

Dennoch spielt die Arbeitsmigration für Indien immer noch eine große Rolle. So ist es üblich, erst einmal selbst als Expat nach Indien zu reisen. Aus Sicht der Arbeit wäre es als Deutscher jedoch sinnvoller, nach China zu gehen. Dennoch ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der Europäischen Union. Allerdings ist Indien kein typisches Auswanderungsland und wird dies aller Voraussicht nach auch nie werden. Zu unterschiedlich sind die Kulturen und Eigenarten zwischen Indien und Deutschland. Als exotisches Reiseziel funktioniert das durchaus – mit dem Gedanken sich dauerhaft niederzulassen wird das schon schwerer.

Wer dabei als Reisender etwa mit dem Zug in Indien unterwegs ist, sollte sich auf einige grundlegende Unterschiede gefasst machen. Denn was in deutschen Zügen ganz normal ist, steht in Indien unter Strafe. So drohen nicht nur Geld, sondern auch Gefängnisstrafen. Als Beispiel kann hier das Verbot zum Kartenspielen in indischen Zügen genannt werden. Doch nicht nur solche Dinge sind es, die es Auswanderern schwer machen können. So ist alleine die Größe des Landes beeindruckend. Zudem leben hier mehr als 1,266 Milliarden Menschen. Entsprechend voll und belebt sind die Städte und Straßen.

Hinzukommt eine allgegenwärtige Korruption. So ist es gang und gäbe, dass zur Beschleunigung von Vorgängen Bakschish, Schmiergeld, bezahlt wird. Schwierig für Auswanderer machen es zudem die 22 offiziellen Sprachen und somit fast so viele, wie es Amtssprachen unter den Ländern der Europäischen Union gibt. Hinzukommt ein wesentlicher Faktor, der das tägliche Leben in jeder Faser stark beeinflusst – die Religion.

Doch es gibt auch Punkte, die für das Land sprechen. Neben unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen finden sich ebenso Berge. Das Klima im Allgemeinen bietet rund 300 Tage Sonne im Jahr, schöne Strände, Regenwälder, eine Jahrtausende alte Kultur und milde Winter. Zudem ist die Grundeinstellung der Bevölkerung sehr positiv, lebensfroh und optimistisch. Gerade unter den Ärmeren zeigt sich das.

Doch auch die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland und anderen europäischen Ländern sind niedriger. Das trifft jedoch nicht auf importierte Güter sowie Wohnraum in Metropolen wie Delhi oder Mumbai zu. Hier sind die Kosten mitunter extrem hoch. Einzig in der Provinz lebt es sich günstiger.

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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