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Begegnung mit den Hippies (Teil 2): Der Hippie als besserer Kapitalist!

Die Hippies verhandeln mit den Rikscha-Fahrern, Straßenhändlern oder Imbiss-Besitzer um jede einzelne Rupie. Anstatt ihnen für ihre Dienstleistung ein faires Entgelt (und vielleicht sogar mal ein Trinkgeld) zu gönnen, sorgen Sie dafür das so wenig Geld wie möglich, diese (Kleinst-)Unternehmer, und die Familien für die sie sorgen, erreicht: eigentlich ziemlich kapitalistisch und entwicklungspolitisch kontraproduktiv.

Fairer Preis für gute Leistungen

Leider vergessen die selbst ernannte Antikapitalisten, dass Arbeit und Unternehmertum Wohlstand schafft. All diese Mikrounternehmer stellen jeden Tag ihre Dienstleistungen zur Verfügung. Diese Leistungen gehören auch anständig entlohnt. Ich empfehle sogar einen Schritt weiter zu gehen und ihnen einen höheren Preis zu bezahlen als der übliche Marktpreis. Das ist keine Aufforderung, sich „bescheissen“ zu lassen, sondern nur die Empfehlung „fairer“ als die Inder selbst zu agieren. Denn die indische Gesellschaft beruht auf der Ungleichheit der Menschen. Daher zahlen die Inder für diese „niederen“ Dienste auch kein faires entsprechendes Entgelt. Sie gehen davon aus, dass die Dienstleistungen, die diese Menschen erbringen, weniger Wert sind. Diese Annahme beruht aber auf der Ungleichheit der Menschen und entspricht weder unserer christlichen Tradition Europas, noch der Ideologie der Hippie-Bewegung. Agieren Sie fairer und geben Sie Ihrem Riskscha Fahrer mal lieber 10 Rupien mehr und nehmen Sie den Schuhputzer in Anspruch. Sie alle verdienen mit diesem Geschäft den Lebensunterhalt für ihre Familien.

Wenn wir Europäer wirklich an den Wert der Gleichheit aller Menschen glauben, dann sollten wir unseren Beitrag dazu leisten, dass unser Taxifahrer nicht zu Fuß nach Hause gehen muss, unser Haushälter ein Dach über den Kopf hat, der Hotelangestellte nicht im Slum übernachten muss und der Koch ein anständiges Essen bekommt. Ich fordere ein faires Entgelt für entsprechende Leistung, Mut zu einem anständigen Trinkgeld und warne vor übertriebenem Ehrgeiz beim Verhandeln mit jenen, die mutig und tüchtig sind. Unterstützen Sie sie auf ihren Weg aus der Armut – hin zu einem bescheidenen Wohlstand. Auch die Hippies sind herzlich eingeladen ihren Beitrag zur sozialen Entwicklung zu leisten.

(Kommentar von Wolfgang Bergthaler)

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Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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