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Warum Indien auf die schiefe Bahn kommt

In Indien läuft massiv was schief! Während in Europa immer mehr Menschen aus Einsicht in eine post-kapitalistische/post-materialistische Phase eintreten und Konsum, Wachstumszwang, Geldsystem, Finanzmärkte sowie immer größer werdende Kapitalgesellschaften ablehnen (oder zumindest hinterfragen), steuert Indien mit Vollgas erst auf den Höhe Tief-punkt des ausbeuterischen Kapitalismus und seinen fatalen Folgen zu.

Woran ich erkenne, dass Indien mit Vollgas in die falsche Richtung läuft.

  • Geld wurde zum wichtigsten Wert der Gesellschaft und ist zum Selbstzweck geworden und nicht nur Mittel zum Zweck (für Lebensunterhalt, Erfüllung von Träumen, Zukunftsvorsorge).

  • Die damit einhergehende „Mehr ist besser“-Mentalität: Jeder in Indien will heute mehr Geld verdienen um mehr zu konsumieren und damit seinen Status in der Gesellschaft aufwerten, der sich heutzutage insbesondere über finanzielle Ressourcen definiert.

  • Daher ist auch (fast) jeder in Indien käuflich: Egal ob kleiner Beamter oder Minister, Sachbearbeiter oder Geschäftsführer; egal ob Schul-Direktor, Arzt, Politiker, Polizist, Schaffner – jeder hat seinen Preis. Mit Geld kann man alles richten. Es gibt nichts was man nicht kaufen könnte in Indien – ja meist sogar muss. Auch wenn etwas ein Recht ist, ist man oft der schlichten Willkür Einzelner ausgeliefert, die in die eigene Tasche „wirtschaften“.

  • Wachstum um jeden Preis: Im täglichen Wettkampf (jeder gegen jeden) ist Nachhaltigkeit ein Fremdwort. Statt langfristig zu Wirtschaften wird kurzfristiger Profit eingefahren. Der Output von heute ist wichtiger als langfristig stabile Systeme, organisch gewachsene Strukturen, Ressourcenschonung oder die Umwelt. Grund dafür ist natürlich der Kapitalismus, aber auch die indische Gesellschaft an sich. Im Hinduismus lebt man eher im Jetzt und vertraut auf Gott und seine Erneuerungskraft. Aber Gott ist gegen irreversible Umweltzerstörung auch machtlos.
  • Daher kam es in den letzten beiden Jahrzehnten (seit der Einführung des Kapitalismus) zu einem Werteverfall nach westlichem Vorbild. Typisch indische Werte wie Spiritualität, Selbstlosigkeit, Toleranz, Zufriedenheit, Vertrauen, Respekt vor der Schöpfung, Hilfsbereitschaft und starke Beziehungen sind in der indischen Mittelklasse definitiv zurückgegangen. Alte werde werden immer mehr von Wachstum, Konkurrenz, Gewinnstreben und Konsum verdrängt.
  • Je mehr sich die indische Gesellschaft „entwickelt“, desto kränker wird sie. Mittlerweile ist Indien der am schnellsten wachsende Markt für Medikamente. Die globale Pharmaindustrie zieht aus um, die Zivilisations-Krankheiten zu heilen behandeln, die die moderne Nahrungsmittelindustrie auslöst. Herz-Kreislauferkrankungen, Fettleibigkeit, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, Allergien sowie alle möglichen Stoffwechselerkrankungen und Krebs steigen exponentiell. So soll es in den kommenden zwanzig Jahren 80 Millionen Diabetes Patienten geben in Indien.
  • Die Pharmaindustrie verdrängt immer mehr die traditionelle indische Medizin (Ayurveda) und die Nahrungsmittel-Industrie zerstört Esskultur und verlernt Körperbewusstsein.
  • Die Urbanisierung zerstört Lebensräume (ohne lebenswerte Lebensräume für Menschen zu schaffen) und verursacht katastrophale Umweltschäden. Städte wie Mumbai, Kolkata oder Chennai sind schlichtweg menschenunwürdig. Die Luft verursacht Asthma und das Wasser ist unbehandelt lebensgefährlich.

Man muss davon ausgehen, dass all die oben genannte Punkte noch extremer werden und der Zenit die Talsohle noch nicht erreicht ist.

(Kommentar von Wolfgang Bergthaler)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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