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India goes mobile

Indien verfügt über deutlich weniger als 100 Millionen Internet-Benutzer und ist damit, wider Erwarten, ein absolutes IT-Entwicklungsland. Daher lässt auch das Internet-Angebot (Portale, Online-Dienste etc) zu wünschen übrig. Es gibt zu wenig Geld für Unternehmen, die ihre Website mit Werbung finanzieren (müssen). Die Umsätze aus Online-Werbung lagen 2009 bei nur 150 Millionen USD – das sind lediglich 3% des gesamten Werbe-Kuchens (vgl.: in Deutschland sind es fast 20%). Die Marketer können eben über das Internet nicht so viele Menschen erreichen wie über TV, Radio, Print oder neuerdings Mobile-Marketing.

Im Vergleich dazu setzten die Mobilfunker im gleichen Zeitraum bei Mehrwertdiensten („Value-Added Services“) eine Milliarde Dollar um. Das bedeutet, dass die Konsumenten im mobilen Bereich sieben mal so viel Geld ausgeben wie werbende Unternehmen im klassischen Online-Bereich. Der höhere Umsatz resultiert in einem besseren, reiferen, umfassenderen und vielseitigeren mobilen Angebot.

Mobiles Internet boomt
Von den 600 Millionen Handy-Kunden nutzen bereits 40 Millionen ihr Mobiltelefon für Internet-und Daten-Dienste. Mit den aktuellen Wachstumsraten von 100% p.a. wird die Anzahl der mobilen Verbindungen jene der fixen Internet-Anschlüssen zahlenmäßig in den nächsten Monaten bereits übertreffen. Diese aktuelle Entwicklung wird vor allem durch die attraktiven Datentarife der Provider ermöglicht. Neben GPRS gibt es seit Oktober 2010 in den ersten Zonen auch endlich UMTS Services.

SMS als Killer-Applikation

Abgesehen von den günstigen Datentarifen und neuen Endgeräten, sollte man nicht vergessen, dass derzeit 95% der Handy-Benutzer in Indien keine Smartphones haben. Diese 600 Millionen Kunden wollen trotzdem mobilen Content (v.a. Nachrichten und Unterhaltungsangebote sowie nützliche Information zu ihrer Einkommensquelle Landwirtschaft) konsumieren und Applikationen nutzen. Letztes Jahr wurden 350 bis 400 Millionen Dollar für SMS (& WAP) Dienste ausgegeben.

http://mytoday.com/, das Start-up des erfolgreichen Internet-Unternehmers Rajesh Jain aus Mumbai, bietet ein perfektes Produkt für den indischen Markt – einen SMS Content-Store mit 300 verschiedene SMS-Channels ab 5 Rupien pro Monat (8 Cent). Von Nachrichten und Aktienkursen bis zu typisch indischen Angeboten zu den Themen Bollywood, Cricket oder Astrologie gibt es eine große Auswahl an mobilen Content. Das Portal hat derzeit 4 Millionen Kunden und ist für 3% des gesamten indischen SMS-Verkehrs verantwortlich.

Derzeit konzentrieren sich die Mobile-Operators und Content Provider verstärkt auf diese BoP-Märkte und nehmen ganz bewusst minimale Deckungsbeiträge in Kauf, um das indische Milliardenpublikum zu erreichen. Die Kunden müssen technologisch und preislich dort abgeholt werden, wo sie sich gerade befinden. Sind sie einmal Kunden, werden diese bald auch für die neuen UMTS-Dienste und Mehrwertleistungen interessant.

Zurück in die Zukunft
Damit überspringt die indische Masse beim Medienkonsum den Computer(Bildschirm) und geht vom TV gleich zum Handy-Screen, um dort die Informations-, Unterhaltungs- und Serviceangebote zu nutzen. Mobile Technologien bieten viele Vorteile in Märkten wie Indien: Günstige Endgeräte mit maximaler Mobilität haben geringe Anforderungen an die lokale Infrastruktur und zeichnen sich durch geringe Verbindungsentgelte und einfache Usability aus. Festnetztechnologien (Internet) für Wanderarbeiter, Bauern in angelegenen Dörfern und Menschen in Slums würden einfach keinen Sinn machen.

2014 soll es in Indien über eine Milliarde Handy Kunden geben. Die größten Geschäftspotentiale liegen in den Bereichen m-learning, Mobile Social Networking und Mobile Marketing. Angebote für Indien sind funktionell, preislich und technologisch weltweit für 4 Milliarden Menschen interessant. Das wissen auch die indischen Provider wie Bharti Airtel, die erst kürzlich Zain Telecom aus Kuwait um USD 10,7 Mrd. übernommen haben und damit Zugang zu 15 afrikanischen Ländern bekommen. Dieser Deal war der zweitgrößte internationale Merger einer indischen Firma.

(Wolfgang Bergthaler, www.indische-wirtschaft.de)

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Stefan Mey

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