How to sell to Indians – lesson learned at Indigo

Unlängst kam ein älteres indisches Ehepaar zu mir ins Lokal. Noch bevor ich “Namaste“ sagen konnte, machten sie mich verantwortlich, dass sie zu Fuß kommen mussten – kein Taxi verfügbar, keine Ahnung von den Bussen, und Hunger hatten sie auch…

Sie wussten dank Internet ohnehin schon alles über mein Lokal – nur nicht, dass es im Winter keine Wraps gibt. Als ich ihnen freundlich erklärte, dass wir im Winter eine limitierte Anzahl an frischen Mittagsmenüs kochen und ich quasi ausverkauft bin, wurden sie richtig fordernd:
“Why? What else do you have? Veg.? How much? Why not? …“ Volles Programm!

Ich blieb freundlich, schaltete aber instinktiv meinen “India-Mode” ein:
“Please stop pushing me around – and trust me. I’ve spent 3 years in India and I absolutely know what you need and want. If you trust me, sit down – and I’ll serve you the best, most authentic, fresh vegetarian meal you’ve had in a long time.“

Sie waren einigermaßen überrascht/geschockt von meinem Konter – das haben sie so wohl nicht erwartet von einem “Kellner”.

Sie setzten sich, während ich ein kleines “Best of“ vorbereitete: frische Currys, hausgemachte scharfe Chutneys, ein süßer Abschluss und natürlich Chai.

An der Kassa dann der finale Akt:
Ich nannte den Preis, zeigte auf den Kartenterminal – er legte sofort seine Kreditkarte auf.
Normalerweise warte ich mit dem Betrag, falls jemand Trinkgeld geben möchte. Diesmal nicht.
Als die Zahlung abgeschlossen war, fragt er ob er noch elektronisch Trinkgeld heben kann. Ich grinste und sagte: “Too late. Indians never give tip therefore I moved on. “ 😄

Er schaute mich entsetzt an, durchsuchte sofort seine Geldbörse und drückte mir ein paar Dollar(!) in die Hand: “No, no, we must! You made our day and we will never forget our positive experience in Graz. This was the best food we had during our long Europe trip!“

Wenn mir Vertriebler aus der Industrie von ihren Erfahrungen in Indien erzählen, klingt das oft so: “Viel Aufwand für wenig Umsatz. Hohe Dringlichkeit, dann ewiges Warten. Emotion und Drama statt Abschluss….“

👉 Ich sage: Geht in die Offensive. Spielt mit dem Status. Dreht den Spieß um, Brecht Konventionen. Forget interkulturelle Normen.

👉 Fazit für Sales in Indien = Führung übernehmen, wertschätzend, aber direkt. Kunden verstehen, liefern, nicht verzetteln – und am Ende begeistern.

Vielleicht ist diese Geschichte ein interessanter Denkanstoß für den nächsten Sales Call mit Indien.

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Autor: Wolfgang Bergthaler
Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt. Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen Markt, Technologie, IT, Personal und Vertrieb.