Fasten für Anfänger

Fasten für die schlanke Taille ist in der westlichen Welt längst ein Bestandteil der Kultur. Dabei hat der Verzicht auf Nahrungsmittel ursprünglich ganz andere Hintergründe als das Erstreben mehr oder weniger gesunder Schönheitsideale.

Eine der berühmtesten mit dem Thema Fasten untrennbar verbundenen Personen ist Mahatma Gandhi. Im Hinduismus gehört moderates Fasten zur Religion. Der individuell gestaltete Verzicht ist ein moralischer und spiritueller Akt, der dazu dient, Körper und Geist zu reinigen und die Gunst der Gottheiten zu gewinnen. Gandhi ging noch einen Schritt weiter und nutzte einen Hungerstreik als friedliches, moralisches Druckmittel im Kampf für Indiens Unabhängigkeit von Großbritannien.

Die Art des Fastens im Hinduismus, in der jeder selbst entscheidet, worauf und wieviel zu bestimmten Zeiten verzichtet wird, ist eine Methode, die immer mehr auch in der westlichen Fastenforschung unterstützt wird.

In einer Überflussgesellschaft, in der die Menschen rund um die Uhr aus dem Vollen schöpfen können, werden die evolutionären Prinzipien aus der Jäger- und Sammlerzeit über den Haufen geworfen.

Doch nicht nur die Hindus haben erkannt, dass der gelegentliche Verzicht auf üppige Mahlzeiten den Körper stärken kann. Der Organismus muss sich beim Fasten von innen heraus ernähren. Dabei holt er sich Energie aus den Fettspeichern und lebenswichtige Stoffe aus den Eiweißreserven. Abgebaut werden Stoffe stets in der gleichen Reihenfolge. Zuerst scheidet der Körper alles aus, was ihn belastet. Danach kommt alles, was er nicht benötigt, gefolgt von allem, was ihn stört. Erst zuletzt kommt alles, was die Gesundheit beeinträchtigt.

Anfänger in punkto Fasten sollten in Absprache mit ihrem Arzt langsam einsteigen. Ein oder zwei Entlastungstage, in denen nur Obst oder etwas Reis gegessen werden, helfen dabei, den Darm völlig zu entleeren und den Verdauungsprozess auszuschalten. Viel Wasser trinken hilft beim Entschlacken. Wer komplett auf feste Nahrung verzichten will, kann Gemüsebrühe und Obstsäfte als Mahlzeiten zu sich nehmen. Allerdings sollten diese Nulldiäten stets nur kurz und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Das sogenannte Intervallfasten, wie es die meisten Hindus und im Ramadan die Muslime machen, erlaubt das Essen nach Sonnenuntergang. Eine Abwandlung davon ist die 16:8-Diät, die für die Nahrungsaufnahme ein achtstündiges Zeitfenster vorsieht. Bei der 5:2-Diät, die ebenfalls zahlreiche Anhänger hat, wird an fünf Tagen der Woche normal gegessen, während die Kalorienzufuhr an den anderen zwei Tagen stark beschränkt wird. Bei diesen Diäten geht es allerdings in erster Linie um Gewichtsverlust und weniger um den Gesundheitseffekt.

Echtes Fasten stellt den Stoffwechsel um, was zu neuen biochemischen Reaktionen führt. Nach neuen Erkenntnissen aus der Forschung kann das den Blutdruck senken, Entzündungen hemmen, Altersgene ruhig stellen und sogar die Neubildung von Gehirnzellen beeinflussen. Zellen können sich leichter regenerieren.

Wer über einen längeren Zeitraum fasten möchte, sollte dies im Urlaub tun, weil auch Ruhepausen für den Körper für die Regeneration wichtig sind. Sportliche Bewegung ist auch während des Nahrungsverzichts kein Problem, solange sie in Maßen stattfindet.

Überhaupt ist das Maßhalten unerlässlich. Wer seinem Körper und Geist etwas Gutes tun möchte, muss auch auf diese hören – und auf den eigenen Arzt, der am besten empfehlen kann, welche Art von Verzicht sich eignet, damit das Heilfasten nicht durch Übertreibung krank macht.

Similar Posts:

About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

Leave a Comment