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Wirtschaft der Extreme

Indien wird gerne als „Land der Extreme“ bezeichnet. Die meisten beziehen das auf die Kluft zwischen Arm und Reich. Rund um fette Villen und moderne Wolkenkratzer wuchern die größten Slums Asiens. Aber extrem ist hier wahrlich alles. Indien ist ein Land der Superlative und reicht über alle Aspekte des Lebens bis hin zum Geschäftsleben. Ein paar anschauliche Beispiele aus der Wirtschaft der Extreme:

Die besten Unternehmen Indiens sind internationale Spitze und gehören zu den innovativsten und lukrativsten der Welt. Am anderen Ende der Skala hat man es mit einer Menge an unprofessionellen und veralteten Firmen zu tun, mit denen man lieber nicht ins Geschäft kommen möchte. Die Größe sagt jedoch nichts über deren Qualität aus.

Indiens Top-Unternehmen produzieren absolute Hi-Tech Spitzenprodukte zu unschlagbaren Preisen, die sich in den kommenden Jahren auch weltweit durchsetzen und ganze Märkte revolutionieren werden. Auf der anderen Seite gibt Massen an Billigware, der nichts taugt und die auch für den Export nicht in Frage kommt.

Noch extremer ist der Unterschied beim Personal. Die Creme dé la Creme der indischen Entrepreneure, Manager und Fachkräfte sind absolute Weltklasse. Ein guter indischer Unternehmer ist in der Regel zwei erfahrenen europäischen Geschäftsmännern-/Frauen bei weitem überlegen – in Verhandlungsgeschick, Problemlösungskompetenz und Geschwindigkeit. Unternehmerisch sind uns die Inder jedenfalls voraus.

Aufs ganze Land gesehen ist jedoch die Unternehmer & Experten-Kaste sehr klein – vielleicht ein paar hundert Tausend. Dazu kommen noch ein paar zig Millionen Fachidioten, quasi die neue aus/gebildete Mittelklasse, die als Software-Ingenieuren, Projekt- und Mid-Level Managern ihren Lebensunterhalten verdienen. Dann kommt lange nichts. Es gibt keine Facharbeiter, keine guten Handwerker, keine qualifizierten Arbeitsbienen – nichts – bis man die unteren Schichten der Gesellschaft erreicht. Da gibt es dann hunderte Millionen von unqualifizierten Hilfsarbeitskräften ohne jegliche (brauchbare) Ausbildung. Zwischen Genie und Wahnsinn hat der indischen Personal-Pool nicht viel zu bieten. Beim Personal sind die Qualitätsunterschiede am eklatantesten erkennbar. In Indien fehlt eine echte Mittelschicht, zum Beispiel eine die Europa nach dem letzten Weltkrieg aufgebaut habt. Wenn man in Indien von Mittelklasse spricht, dann mein man die oberen zehn Prozent.

The Top, the Worst & Nothing

Diese extreme Zwei-Klassen-Gesellschaft zieht sich durch alle Bereiche des Lebens. So gibt es zwischen 5-Sterne Luxushotel und schmutziger Absteige kaum brauchbare Budget-Quartiere.

Entweder besitzt man eine Wohnung, die mehrere hundert Tausend Euro bis Millionen kostet oder haust auf der Straße.

Die einen bezahlen zig tausend Dollar Studiengebühren, die anderen können nicht mal lesen und schreiben.

Ähnlich bei Gesundheitsdienstleistungen oder Maschinen. Zwischen importierten teuren Qualitätsmaschinen und indischen Workarounds gibt es kaum etwas.

Egal was: Das Value for Money Segment gibt es in Indien kaum. Hier liegen aber die Geschäftsmöglichkeiten der Zukunft. Das Land der unbegrenzten geschäftlichen Möglichkeiten.

(Ein Kommentar von Wolfgang Bergthaler)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf “Indische Wirtschaft” teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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