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Bin mal kurz in Indien … um ein Start-up zu gründen

Christian Atz (27) ist Internet-Entrepreneur aus Tübingen. Er arbeitet gerade mit seinem Geschäftspartner Daniel Heitz im Inkubationsprogramm des IIM Ahmedabad „iAccelerator“ an seinen aktuellen Start-ups.

IW: Gib uns erst mal einen kurzen Background zu Deiner Person und Deinen Ideen.

CA: Ich heiße Christian Atz und habe im letzten Frühjahr das erste Staatsexamen in Jura abgeschlossen. Seither tummle ich mich in der Entrepreneurship-Szene. Seit November bin ich mit Daniel Teil des bekannten iAccelerator-Inkubationsprogramms. Wir arbeiten aktuell an zwei Start-ups. Colored.by und makehappy.in. Auf Colored.by verkaufen wir demnächst individuelle, virtuelle Regenbogenfarben. Makehappy.in beschäftigt sich mit dem „Abschöpfen” von Affiliate-Provisionen von Online Shops für gute Zwecke.

IW: Ihr seid hier Teil von iAccelerator, dem Inkubator des IIM Ahmedabad, Indiens TOP Business School. Wie kam es überhaupt dazu?

CA: Tim Lagerpusch vom Center for Innovation & Entrepreneurship (CIE) Karlsruhe, der mich während meines Eramus for Entrepreneurs Aufenthalt bei runtastic in Linz/Österreich betreut hat, hat mir iAccelerator empfohlen. Darauf hin habe ich mir beworben und nach mehreren e-mails und einem Telefonat habe ich Mitte Oktober die Zusage aus Ahmedabad erhalten.

IW: Seit 1. November bist du also hier im Campus. Wie lebt und arbeitet sich im Inkubator?

CA: Wir arbeiten gemeinsam mit den anderen elf Start-ups in einem Co-Working Space. Die Stimmung ist super, es gibt viele extracurriculäre Aktivitäten und es herrscht ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Ein Überblick aller inkubierter Teams ist online verfügbar.

IW: Wie unterscheiden sich die Gründungs-Motivationen der indischen Entrepreneure von jenen bei uns in Mitteleuropa?

CA: Bevor sie gründeten, hatten die meisten jahrelang einen Job bei einem der großen IT Unternehmen, wollten dann aber ihre eigene Idee umsetzen. Mit dem ersparten Geld sorgen Sie für ihren Lebensunterhalt und finanzieren die ersten Monate.

Grundsätzlich scheint Entrepreneurship in Indien sehr viel verbreiteter zu sein als in Österreich oder Deutschland. Da es nicht so viele Jobs gibt, versuchen sich viele als Unternehmer.

IW: Wie würdet Ihr einen typischen Gründer in Indien in wenigen Worten beschreiben?

CA: Technischer Hintergrund, berufserfahren, bescheiden und gesellig.

IW: Inwiefern unterscheiden sich die Startup Szenen und Menschen in Indien von jenen in Deutschland?

CA: Die deutsche Start-up Szene wird sehr stark von Gründern mit wirtschaftlichen Background geprägt, die sich dann ihr Technologie-Team suchen. In Indien ist es meist umgekehrt. Die Techies (Progammierer) sind die treibenden Kräfte der Ideen und damit auch die Gründer. So haben beispielsweise bei uns sämtliche Programmteilnehmer einen technischen Hintergrund.

IW: Wie seht ihr die Innovationsfähigkeit der indischen Internet-Firmen? Gibt es da ausschließlich Copy-Cats oder auch was wirklich Neues, das euch begeistert?

CA: Eine komplett neue Idee konnten wir in unserem Umfeld bislang nicht ausmachen. Es wird hier an den ähnlichen Konzepten gearbeitet wie in den USA und Europa – jedoch mit indischen Markt-Spezifika. Von reinen Copycats darf man also auch nicht sprechen, da es zeitgemäße Ideen sind, die mit der heutigen Technologie (Cloud-Computing, Mobile etc) umsetzbar sind.

IW: Greift ihr auf indische Programmierer zurück? Wenn ja, wie läuft die Zusammenarbeit?

CA: Wir haben seit wenigen Tage unsere erste Mitarbeiterin. Sie hat einen Master-Abschluss in Computer Science und möchte nun bei uns Start-up Erfahrung sammeln.

IW: Warum habt ihr euch letztendlich entschieden für drei Monate nach Indien zu gehen?

CA: Ich habe das Studium abgeschlossen und wollte erstmals eine Auszeit nehmen, jedoch auch die Verwirklichung meiner Ideen vorantreiben. Indien und das iAccelerator Programm schienen mir für beides bestens geeignet. Indien bietet aktuell sicherlich große Chancen im e-Commerce und Mobile Markt. Schlussendlich waren die Gründe aber persönliche. Ich möchte diese einzigartige Erfahrung nicht missen.

IW: Wie sehen die verbleibenden Wochen hier noch für euch aus?

CA: Wir launchen makehappy.in in der Beta-Version Mitte Januar und möchten anschließend eine Firma in Indien gründen. Am 28. Januar ist dann der Demo-Day am Campus. Dort werden wir unsere Projekte mehreren Venture Capital Firmen und Business Angels präsentieren. Danach werden wir für vier Wochen ein Haus am Strand mieten um in einem intensiven Work-Camp makehappy.in in der „Vollversion” fertig zu stellen.

IW: Was macht man als junger Deutscher in Ahmedabad wenn man nicht arbeitet?

CA: Tischtennisspielen und lecker Essen gehen.

(aufgezeichnet von Wolfgang Bergthaler, Ahmedabad)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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