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Expats: Mehr Europäer arbeiten in Indien

Jacob Jay verbindet Menschen verschiedener Nationen.
Written by Stefan Mey
Jacob Jay verbindet Menschen verschiedener Nationen.

Jacob Jay verbindet Menschen verschiedener Nationen.

Die triste Wirtschaftslage in den westlichen Industrienationen treibt US-amerikanische und europäische Manager vermehrt nach Indien, wie die indische Tageszeitung “Times of India” berichtet. Derzeit arbeiten in Indien mehr als 40.000 Expats, innerhalb eines Jahres ist die Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte durch indische Unternehmen um 15 bis 20 Prozent in die Höhe geschossen. “Grund ist, dass die rasant wachsende indische Volkswirtschaft zahlreiche Jobchancen bietet”, sagt Ratnesh Kumar, Manager bei der Headhunting-Firma Elixir Consulting. In den Heimatländern der Expats hingegen gibt es Jobabbau, verstärktes Outsourcing in Billiglohnländer und deutlich höhere Steuern als in Indien.

Die meisten Rekrutierungen finden im Bankensektor, Automobile, Pharma und Retail statt; sowie in Sektoren, in denen indischen Managern die Kompetenz fehlt, Länder wie Österreich aber Weltspitze sind – etwa der Bereich der Erneuerbaren Energien.

“Führungskräfte können hier mit einem Jahresgehalt von 250.000 Dollar rechnen, Mittelmanager mit 80.000 bis 125.000 Dollar pro Jahr”, sagt Kumar. Inzwischen sei das Thema auch nicht nur auf hochbezahlte Top-Manager limitiert, auch Berufsanfänger versuchen in Indien ihr Glück – schließlich macht sich ein Auslandsaufenthalt in Fernost gut im Lebenslauf, zeugt von interkultureller Kompetenz und erhöht somit die späteren Jobchancen.

Und selbst Freelancer und Start-Ups zieht es nach Indien, wie der gebürtige US-Amerikaner Freeman Murray verrät: Er betreibt in Bangalore den Co-Working-Space “Jaaga”, in dem Selbständige WLAN und einen Schreibtisch nutzen können, um an ihren Projekten zu arbeiten und sich mit einander zu vernetzen. “Start-Ups können überall auf der Welt arbeiten, solange sie einen Schreibtisch und eine Internetverbindung haben”, sagt Murray. Und gerade in der Gründungszeit, in der die finanziellen Mittel knapp sind, sind die geringen Lebenskosten in Indien von Vorteil. Ähnlich sieht dies Jacob Jay, Betreiber des Co-Working-Spaces “Moonlighting” in Delhi: “Hier treffen sich Studenten, Designer, Programmierer, Journalisten und Finanzexperten”, sagt der gebürtige Engländer: “Sie vernetzen sich und tauschen ihr Wissen aus.”

Eine Schattenseite hat das Zusammenspiel aus indischen Konzernen und westlichen Arbeitskräften aber ebenfalls: Die Fluktuationsrate bei ausländischen Mitarbeitern liegt bei zehn Prozent pro Jahr – Grund dafür sind meist Kommunikationsprobleme mit den indischen Kollegen und kulturelle Differenzen. Denn, das wird wohl jeder Europäer trotz hohen Gehalts, niedriger Steuern und sonnigem Winter nach einiger Zeit feststellen: Zuhause, da ist es doch immer noch am schönsten.

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