Chronik

I love my Delhi

Nun bin ich schon seit einer Woche in Delhi und genieße das Leben in der indischen Hauptstadt in vollen Zügen. Die schiere Größe der Stadt, die vergleichsweise gute Infrastruktur, das hervorragende öffentliche Verkehrsnetz, und das luxuriöse Leben in Süddelhi beeindrucken mich immer nach. Bangalore ist mir nur noch als chaotische Kleinstadt mit chronischem Verkehrsinfarkt irgendwo in Südindien im Hinterkopf. Delhi ist mit keiner anderen indischen Metropole vergleichbar – zu unterschiedlich sind hier Lebensgefühl, Mentalität, Sprache, Kultur, Wetter, Essen etc.

Obwohl 80% der Bewohner Delhis Hindus sind, ist die Stadt stark geprägt vom Islam, den Briten und den Sikhs. Muslimische Sultane und Mughul-Kaiser beherrschen von Delhi aus große Teile Nordindiens. Am Beginn des 20-sten Jahrhunderts verlegten dann die die Briten die Hauptstadt von Kalkutta nach Delhi und bauten Süd-Delhi zu ihrem prunkvollen Herrschaftszentrum aus. Nach der Unabhängigkeit und Teilung des Landes 1947 wurde Delhi zur Hochburg der Sikhs. Denn alle Anhänger dieser Religion, darunter viele reiche Geschäftsleute, wurden vertrieben und mussten den (West-)Punjab verlassen und fanden in die Hauptstadt der jungen Republik ihre neue Heimat. Punjabi war die „lingua franca“. Sie prägten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft in Delhi.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Aufkommen all der IT- und Outsourcing Zentren, kamen in den letzten zehn Jahren mehrere Millionen Neuankömmlinge in die Hauptstadt, sowie ihre Satellitenstädte: vom südindischen Software-Guru bis zum Hilfsarbeiter aus dem rückständigen Bihar. Sie alle brachten nicht nur ihre Familien sondern auch ihre Sprachen, Kulturen, Gewohnheiten und Lebensarten mit in die Hauptstadt.

Heute in Delhi ein Schmelztiegel der Kulturen und bietet alles was der gesamte Subkontinent zu bieten hat. Auf 1500 Quadratkilometern kann man durch mehrere Jahrhunderte reisen. Die hypermoderne Metro verbindet das mittelalterliche Old Delhi rund um die Bazare von Chandi Chowk mit dem großzügigen Regierungsviertel und Gartenanlagen in Neu Delhi und geht hinunter nach Gurgaon zu den Glastürmen der internationalen Konzerne. Und während der Fahrt in der U-Bahn begegnet man tausenden Menschen aller Hautfarben, Ethnien, Religionen und Sprachen.

Delhi begeistert (mich) immer!

(Wolfgang Bergthaler)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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