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Das indische Silicon Valley gegen das Echte

Bangalore wird oft das „Silicon Valley Indiens“ genannt. Woher Bangalore diese Bezeichnung bekam weiß ich nicht. Entweder ist das ein hoher Anspruch an sich selbst, beziehungsweise eine Erwartungshaltung von außen, die quasi nicht zu erfüllen ist – aber wie dem auch sei… Das Silicon Valley gilt als DAS globale Zentrum für Innovationsfähigkeit. Zwischen San Francisco und San Jose sitzen nicht nur tausende kleine Startup-Buden, die mit zig Millionen Risikokapital am „next big thing“ basteln, sondern auch die globalen Top-Unternehmen, die wirklich die Welt mit ihren Produkten geprägt und sogar verändert haben: HP, Intel, Microsoft, Apple, Google.
Das Valley hat das, worum es alle beneiden: das perfekte „Eco-System“: beginnend mit den Top-Universitäten Stanford und Berkeley, die die hellsten Köpfe und besten Programmierer ausbilden, ausreichend Risikokapital, die besten Mentoren, die höchste Dichte an Technologie-Startups weltweit. Obendrein noch eine liberale multi-kulti Gesellschaft und eine Geisteshaltung, wo scheitern erlaubt aber alles möglich ist. Diese einzigartige Umfeld zieht verständlicherweise täglich neue Firmen an.

Nach drei Monaten Bangalore muss ich gestehen: den Anspruch ein zweites Valley zu sein, kann die südindische „Garden City“ nicht erfüllen. Hier gibt es weder die besten Unis, noch die besten Mentoren, noch die offenste Gesellschaft. Das Geld fließt vor allem in sichere Immobilienprojekte mit soliden 30% Rendite pro Jahr, nicht aber in hochriskante Tech-Startups. Obwohl die Inder immer erfolgreiche Geschäftsleute waren, ist Entrepreneurship (Business + Innovation = Entrepreneurship) kulturell bedingt immer noch unpopulär. Scheitern ist in Indien keine Option. Trotzdem wagen sich heute immer mehr junge Leute aus der Corporate World auszusteigen um an ihrer eigenen Idee zu arbeiten. Vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. Man wäre dann doppelt unvermittelbar gewesen: Am Job- als auch am Heiratsmarkt.

Nichts desto trotz: hier entsteht schon langsam ein gesundes „Eco-System“, das langfristig Potential hat. Die Dichte an Start-ups ist enorm. Im Prinzip könnte man jeden Tag auf mindestens ein Event gehen, wo es im weitesten Sinne um Entrepreneurship und Internet geht. Das Thema ist aber auch schon im Mainstream angekommen. Im Fernsehen gibt es Casting-Shows für die besten Start-ups, jedes Print-Medium bringt regelmäßig Geschichten und Reportagen aus dem Umfeld der Startup-Community. Colleges setzen Schwerpunkte zu Unternehmertum und gründen Übungsfirmen.
Viele Inder, die im Valley erfolgreich waren, kommen jetzt wieder nach Indien um es dort nochmals zu probieren oder um ihr Geld in lokale Start-ups zu investieren. Zum einem steckt hier alles noch in den Kinderschuhen, zum anderen ist die Große des Marktes quasi unendlich – dementsprechend groß sind die unternehmerischen Möglichkeiten. Das macht Indien zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

(Wolfgang Bergthaler)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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