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Formel 1 soll Indiens Image pushen

Written by Stefan Mey

In Hampi, einem kleinen Ort im südindischen Bundesstaat Karnataka, sitzt ein Souvenir-Händler in seinem Straßenladen und träumt von Michael Schumacher. Er hat sich mit seinem spärlichen Einkommen Bücher und Poster des deutschen Rennfahrers gekauft. “Mein größter Traum ist es, Schumi einmal live zu sehen”, sagt er. Sein bester Freund, ein Rikscha-Fahrer, hat sein Fahrzeug mit Ferrari-Logos beklebt.

Der Traum könnte sich dieses Wochenende bewahrheiten – theoretisch zumindest. Denn rund 60 Kilometer südlich der indischen Hauptstadt Delhi findet dieses Wochenende der erste Formel 1 Grand Prix Indiens statt; die Tickets sind allerdings alles andere als billig in einem Land, in dem nach Berechnungen der Weltbank 800 Millionen Menschen von weniger als zwei Euro pro Tag leben müssen: 140 Euro kosten die Karten im Schnitt, die billigsten Karten gibt es ab rund 35 Euro. Entsprechend verkündeten indische Medien, bis zum Vortag seien nur 70 Prozent der Tickets verkauft worden – zwar faszinieren die schnellen Autos die neue reiche Elite, aber die Beliebtheit des Nationalsports Cricket wird die Formel 1 in Indien wohl nie erreichen. Kritische Stimmen ätzen zudem, die hohen Ticket-Preise verstärkten noch die ohnehin starken Gegensätze zwischen Arm und Reich: Autorennen seien das neue Polo, sagt ein Kritiker mit Referenz auf die englische Kolonialzeit.

Nationales Trauma

Entscheidend ist für Indien diesmal, dass alles glatt läuft: Denn das nationale Trauma sitzt noch immer tief in Bezug auf die Commonwealth Games von letztem Jahr, die ein einziges Fiasko waren: Austragungsorte wurden zu spät fertig gestellt, die Unterkünfte der Athleten wurden von Straßenhunden bewohnt und Gelder wurden veruntreut. Der Grand Prix soll nun beweisen, dass Indien sehr wohl Sportevents von globalem Ausmaß abhalten kann.

Der Unterschied zu vor einem Jahr: Diesmal ist nicht der Staat der Organisator, sondern ein privater Investor. Das Unternehmen Jaypee Sports International hat 400 Millionen Dollar in das Projekt gesteckt, inklusive eines Kaufs von 2500 Hektar Land. Die 5,14 Kilometer lange Rennstrecke wurde von dem deutschen Architekten Hermann Tilke gestaltet; die Rennfahrer sind diesmal in einem 60 Hektar großen Golf- und Wellness-Ressort mit Ayurveda-Zentrum und Tennisplätzen untergebracht.

Experten zufolge werden die Veranstalter allerdings aus Ticketverkäufen nur 16 Millionen Dollar lukrieren. Das weitere Geld soll langfristig erwirtschaftet werden: Das Gebiet soll auch andere Sportarten anziehen und folglich als Trainingsgelände vermietet werden; zudem sollen reiche Inder gegen ein Entgelt auf der Piste ihre Privatrennen fahren dürfen. Außerdem wird damit gerechnet, dass durch die Rennstrecke die Immobilien und Grundtücke im Umland aufgewertet werden.

Ohne Metallica

Ganz ohne Skandale geht es aber freilich nicht: Am Vorabend der Veranstaltung, Freitag, hätte die US-amerikanische Rockband Metallica vor einem begeisterten Publikum röhren sollen. Stattdessen warteten die Fans aber stundenlang, und das Konzert wurde schließlich auf den nächsten Tag verschoben – als Grund nannten die Veranstalter technische Schwierigkeiten. Die Gäste, die teils aus weit entfernten Orten wie Mumbai für das Konzert angereist waren, randalierten; die Veranstalter wurden wegen vorsätzlicher Irreführung der Konsumenten in Untersuchungshaft genommen. Heute Abend will die Band einen weiteren Anlauf starten, am Sonntag soll sie schon im südindischen Bangalore spielen. Gerüchte besagen auch, die Band rund um Lars Ulrich sei mit den Backstage-Zuständen nicht zufrieden gewesen – ob da wohl Erinnerungen an die Commonwealth Spiele wach werden?

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