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Auch Indien geht in die Wolke

Written by Stefan Mey

In der indischen Finanzmetropole Mumbai bringen die Regenwolken nur wenige Monate im Jahr einen Niederschlag – genau dieser wird aber gebraucht, um der Stadt die notwendige Trinkwasserversorgung zu bringen. Eine Metapher, die sich auf Cloud Computing umlegen lässt: Während die Regenwolken das Überleben der Bevölkerung sichern, bringen die digitalen Wolken Vorteile für den indischen Mittelstand, sind sich Experten auf dem „Cloud Computing World Forum“ in Mumbai einig. Indische KMUs, die bisher nicht die nötige IT-Infrastruktur hatten, können diese nun in die Cloud auslagern und somit in Wettbewerb mit multinationalen Konzernen treten.

Der gesamte indische Markt wird derzeit noch auf bescheidene 216 Millionen € geschätzt, soll aber bis 2016 auf eine Größe von 1,7 Milliarden € anwachsen. Derzeit sind 85 Prozent der Leistungen in Indien so genannte „Software as a Service“ (SaaS), bei der neben der Infrastruktur und dem Betriebssystem auch diverse Software auf Servern außerhalb des eigenen Betriebes abgelegt sind. In zwölf Prozent der Fälle handelt es sich um „Infrastructure as a Service“ (IaaS), wo lediglich die Infrastruktur gemietet wird, Betriebssystem und Software aber in den Händen des Auftraggebers verbleiben.

Die Sorgen der potenziellen Auftraggeber sind dabei die gleichen wie im Westen: Sicherheit und Redundanz der Daten, ebenso wie die Abhängigkeit vom jeweiligen Cloud-Anbieter. Zudem senkt Cloud Computing zwar die Gesamtkosten, jedoch spielt der Preis für weniger finanzstarke Start-Ups in Boom-Metropolen wie Mumbai oder Bangalore nach wie vor eine Rolle, wie Shradha Sharma, Gründerin des Start-Up-Portals yourstory.in betont. Wer wenig Kapital zur Verfügung hat, der bindet sich ungern langfristig an einen Anbieter. Die Vorteile wiederum liegen ebenfalls auf der Hand: „Mit Cloud Computing kann man schneller versagen“, betont Bernie Trudel, Cloud CTO von Cisco Systems Asia Pacific, in seiner Rede. Was bedeutet: Der Innovationszyklus wird beschleunigt, da Verwaltungsarbeit rund um die IT ausgelagert wurde und Fokus auf das Kerngeschäft gelegt werden kann.

Der Staat steigt ein

Und Cloud Computing ist nicht nur den Reichen vorbehalten, wie Golok Kumar Simli vom indischen Außenministerium anführt: Der Mobilfunk boomt bereits mit weit über zehn Millionen neuen Handyanmeldungen pro Monat; und nun möchte der Staat die Bürger und verschiedene Institutionen über die Cloud vernetzen. „Die Frage ist nur, wie man es zum Volk bringt“, sagt Simli – schließlich ist hier die Rede von über einer Milliarde Menschen, die 35 verschiedene Sprachen und 150 Dialekte sprechen. Zudem ist das Land nicht zentral verwaltet, sondern in 593 Bezirke und 5470 Unter-Bezirke unterteilt, mit über 630.000 einzelnen Dörfern. Die Menge an unstrukturierten Daten in verstaubten Aktenordern macht die Implementierung nicht einfacher.

Der somit im Mai 2006 beschlossene e-Governance Plan (NeGP) soll die öffentliche Verwaltung digital machen – und zwar, indem die zentrale Initiative dezentral implementiert wird, mit einem strategischen Schwerpunkt auf Public Private Partnerships (PPPs). Die lokale Versorgung läuft über 250.000 im Land verteilte „Citizen Service Centers“. In der Implementierung dieser wird eine der Herausforderungen für das staatliche Cloud-Projekt liegen, wie Simli betont – und natürlich in einem Change- und Projektmanagement, das die indischen Verwaltungsbeamten von den Aktenordnern in die Cloud befördert.

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