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Salzkammergut – Paradies ohne Inder!

Traunsee

Ich bin gerade ein paar Tage im Salzkammergut und genieße die herrlichen Tage dieses Altweibersommers. Hier ist die Welt wirklich noch in Ordnung! Seen mit Trinkwasserqualität, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, frische Bergluft und eine Aussicht auf die majestätischen Felsen des Hollengebirges, die dunkelgrünen Wälder und Wiesen sowie den türkisfarbenen Attersee. Keine Spur von Hektik, Verkehr oder Umweltverschmutzung, dafür absolute Stille, unberührte Natur und viel positive Energie. Hier will man leben, zumindest an so wunderschönen Herbst-Tagen wie heute. Salzkammergut als mein Kontrastprogramm zu den lauten und schmutzigen Städten Bombay, Delhi oder Bangalore, wo ich ab Oktober wieder ein paar Monate verbringen werde.

Traunsee

Die Inder stehen auf uns!

Wie wir aus Bollywood wissen stehen die Inder genau auf diese Idylle, in der wir hier leben. Immer wenn ich ein Foto meiner Heimat auf Facebook poste, habe ich Minuten später dutzende „Likes“ sowie staunend-bewundernde Kommentare von meinen indischen FB-Freunden. Aber Indern wird man im Salzkammergut nicht über den Weg laufen, obwohl dieser Ort für sie der Inbegriff des Paradieses ist. Ich habe viele beeindruckende Plätze in ganz Indien gesehen, aber nichts kann mit dem Salzkammergut (und anderen) Orten in Österreich mithalten. Und das sag ich nicht als Patriot, sondern als objektiver Betrachter.

Aber wo sind die Inder?

Inder sieht man in Österreich nur in der Wiener City spazieren, vor Schönbrunn zum Fotoshooting, in Salzburg bei der „Sound of Music“-Tour und Bus-weise in Wattens bei den Swarovski Kristallwelten zum Shopping – auf der Durchreise nach Italien. 2010 gab es in Österreich etwa 100.000 Nächtigungen von Indern (das sind weniger als 0,1% aller Nächtigungen). In der Schweiz waren es sieben (!) mal so viel. Was hat die Schweiz, was wir nicht haben? Auf jeden Fall ein deutlich besseres Marketing! Die Schweiz hat sich am indischen Tourismusmarkt perfekt positioniert, nicht zuletzt wegen den hunderten in der Schweiz gedrehten Bollywood-Filmen, die maximal zur Markenbildung beigetragen haben. Und Bollywood zieht einfach immer!

Die Inder als Retter des österreichischen Tourismus!?

Auch Österreich muss seine tollen Angebote (wie zum Beispiel das Salzkammergut) in Indien besser positionieren und bewerben! Bei uns wird immer vom „Tourismus-Land Österreich“ gesprochen, aber in den Zukunftsmärkten sind wir so gut wie nicht präsent! Auf die Deutschen und Holländer dürfen sich die Hoteliers in Zukunft aber nicht mehr verlassen. Da braucht man sich nur die Statistik anzusehen. Auch wenn nur die „oberen“ 5% der Inder (> 50 Millionen) als Touristen in Frage kommen, ist das doch ein enormes Marktpotential. Und sie alle wollen nicht nur eine Städtereise nach Europa (die erste typischerweise á la „10 Länder in 2 Wochen“) machen, sondern immer öfter auch ein paar Tage Ruhe und Erholung finden, weit weit weg von den überfüllten, heißen, und verschmutzten Megacities des Subkontinents. Was die (ebenfalls überfüllten) indischen Hill-Stations und die teure Schweiz nicht leisten könnten, könnte Österreich leicht bieten. Dafür bedarf es aber geschickter Kommunikation und Werbung in Indien sowie auf die indischen Gäste angepasste Angebote, insbesondere was Essen und Service betrifft. Inder sind bestimmt fordernde, oft schwierige, Gäste, aber das wird von den Deutschen ja auch oft behauptet.

Hotelbetten statt Automobilkomponenten

Auch gesamtwirtschaftlich sind Tourismus-Angebote für Indien (und andere „emerging markets“) extrem wichtig. Der Handel zwischen Indien und Österreich lässt sowieso zu wünschen übrig. Mit etwa einer Milliarde Euro fast nicht der Statistik wert. Unsere Export-orientierte Industrie tut sich in Indien relativ schwer. Unsere teuren Maschinen und Anlagen werden in Indien schwer interessierte Käufer finden. Auch wenn unsere Wirtschaftskammer Indien heute noch als Zukunfts-Export-Markt feiert, wird es in den kommenden Jahren schwer werden für unsere Exporteure. Indien ist immer weniger auf unser Know-how und unsere Produkte angewiesen. Heute kann Indien fast alles selbst entwickeln und produzieren – und das zu einem Bruchteil unserer Kosten.

Das einzige was Indien selbst nicht hat, ist unberührte saubere Natur in Kombination mit toller Verkehrs- und Tourismus-Infrastruktur – und das alles zu einem vernünftigen Preis. Wir haben ein tolles Angebot, das alle Inder woll(t)en, aber dort nur (noch) keiner kennt.

Die Indische Gäste könnten unsere Außenhandelsbilanz retten und Tourismus- und Freizeitwirtschaft stützen. Vorausgesetzt die Österreich-Werbung erkennt endlich die Zukunftstrends und die heimischen Touristiker riskieren mal zu einen Blick über den Tellerrand beziehungsweise den Atter- & Traunsee. (Schöne Urlaubsgrüße aus dem indischen Paradies. Wolfgang Bergthaler)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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