Wolfgang Bergthaler über Outsourcing nach Indien

2 Monate Start-up ecosystem Bangalore – lessons leaned (Teil 2)

Fortsetzung (von gestern) meiner “lessions learned” nach zwei Monaten in der indischen Startup Szene:

  • Die indische Szene ist ziemlich amerikanisch! Alle reden hier laufend von Venture Capital und Rollenbildern aus dem Silicon Valley. Sie alle lesen die gleichen Bücher und Blogs wie im Silicon Valley. Aber auch viele Jungs (Mädels gibt es kaum) haben ihre Erfahrungen im Valley gemacht und bringen jetzt den Lifestyle und Spirit aus Kalifornien mit.
  • Entrepreneurship ist in Indien bereits im Mainstream angekommen. Egal ob Fernsehen, Tageszeitung, Wochenmagazin – alle (Massen)-Medien berichten fast täglich über innovative Entrepreneure und erfolgreiche Start-ups. Unternehmer zu sein ist zum ersten Mal eine Alternative zum Ingenieursberuf oder Arzt. Die Eltern müssen sich zumindest nicht mehr schämen – und eine (gut) Mitgift könnte es auch noch geben.
  • Die Leute hier sind alle getrieben/inspiriert von ihren (großen) Träumen und Visionen. Alles scheint möglich – für jeden! Das oberste Gebot lautet: Mehr ist besser! Alles muss groß sein und mehr werden. Quantität ist meist wichtiger als Qualität. Wachstum also um jeden Preis!
  • Die Quantität an Start-ups hier ist enorm. Die Spitze ist aber (noch) sehr dünn. Das Top-Segment der indischen Start-ups kann aber international definitiv mithalten. Ich bin mir aber sicher, dass aus der Masse noch viel Klasse hervorgeht, in den kommenden Jahren.
  • Der indische(!)Markt steht nun im Fokus der Unternehmen, nicht mehr der Software-Export. Es geht nicht mehr um günstige Services, sondern wirklich um Produktentwicklung für den boomenden „domestic market“, wo dich Nachfrage auch in den kommenden Jahren stark sein und nachhaltig wachsen wird.
  • Die größte Dynamik geht vom „mobilen Bereich“ aus
    . 700+ Handybenutzer und eine steigende Smartphone-Durchdringung sorgt für richtig viel Wachstum.In Indien gibt es für junge ambitionierte und talentierte Inder bestimmt mehr interessante Jobs als in Europa. Mit einem Bachelor-Abschluss und ein paar Monaten Berufserfahrung übernimmt man hier schon Personalverantwortung und verhandelt mit Lieferanten und Kunden. Da ist man in Europa meist nur ein besserer Sachbearbeiter.
  • Ich habe immer öfter den Eindruck dass gut ausgebildete Inder wesentlich bessere Arbeit abliefern als Europäer, und das zu eine Bruchteil der Kosten. Man muss aber auch dazu sagen, dass gute Mitarbeiter extrem schwierig zu finden sind – Indien hat einen eklatanten Fachkräftemangel, quer durch alle Branchen.
  • Ich bin immer wieder überrascht von der Indischen Last-Minute Organisationstalent. Was 24 Stunden noch unmöglich scheint, word dann schließlich auf die Minute doch irgendwie fertig und passt perfekt und keiner weiß warum – zumindest ich.
  • Ich habe in zwei Monaten keinen einzigen getroffen, der in die USA auswandern möchte. Indien ist „the place to be and do business“. Die junge Generation glaubt an ihr Indien. Das Lebensgefühl passt. Der jungen urbanen Generation in Delhi, Bombay oder Bombay fehlt es an nichts. Lifestyle, Unterhaltung und Konsum-Möglichkeiten gibt es reichlich.
  • Die Lebensqualität ist, abgesehen von Verkehr, Luftverschmutzung und der frühen Sperrstunde (11:30), sehr erträglich. Trotzdem sehe ich mich mittel- und langfristig in Wien. Die Geschwindigkeit, Dynamik und Stress ist auf Dauer sicher nicht gesund. Außerdem vermisse ich die Natur und Menschen, die auch noch was anderes im Sinn haben als schnell viel Geld zu verdienen und sich zu Tode zu arbeiten. Bangalore ist aber bestimmt einer der spannendsten Orte der Welt, wo man gerade sein kann. Ich freue mich dann doch wieder noch ein paar Monate dort zu leben, wo international gerade die Post abgeht und wo der Zukünftige Nabel der Welt ist, das Unternehmertum und Innovation betrifft.

(Kommentar von Wolfgang Bergthaler)

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