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“Junge Inder wollen zeigen, dass sie sich etwas leisten können”

Written by Stefan Mey

Hans-Jörg Hörtnagl ist der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Neu Delhi; seit Jahren beobachtet er die wirtschaftlichen Entwicklungen Indiens, um österreichischen Unternehmen den Einstieg in den Wachstumsmarkt zu erleichtern. Mit www.indische-wirtschaft.at sprach er über die Chancen und Risiken des vielfältigen Landes.

Indische Wirtschaft: Wie hat sich Indien in den letzten Jahren aus Ihrer Perspektive gewandelt?

Hans-Jörg Hörtnagl: Indien hat 1991 mit der Wirtschaftsliberalisierung begonnen; seitdem hat sich viel getan, auch der Außenhandel wurde liberalisiert – der jetzige Boom ist die Frucht dieses Wandels, das BIP-Wachstum liegt nun bei rund acht Prozent. Abseits der Makroökonomie beobachten wir einen Wertewandel: Früher war es verpönt, Wohlstand zu zeigen; jetzt wollen hart arbeitende junge Inder auch zeigen, dass sie sich etwas leisten können.

Wurde es dadurch leichter für Österreicher, Geschäfte in Indien zu machen?

Es gibt latente neue Bedürfnisse für ausländische Produkte, etwa Mode-Accessoires. Außerdem braucht Indien jedes Jahr 100 Milliarden Dollar Investition in Infrastruktur, um das Wachstum zu halten – in diesem Bereich haben österreichische Unternehmen einen guten Ruf.

Für Konzerne im Baubereich ist das reizvoll. Aber wie geht es den KMU in Indien?

Es gibt hier auch Top-Unternehmen, die KMU sind; etwa Geoconsult im Beratungsbereich.

Welche Branchen sind besonders reizvoll?

Alles im Bereich Infrastruktur, ebenso Energie – Indien hat ein Defizit von 80.000 Megawatt. Auch Transport/Logistik, Bahn, Automotive, Elektrotechnik und Messtechnik sind gefragt. Verstärkt gibt es auch eine Nachfrage nach Umwelttechnik und Alternativenergie – in Gujarat wird etwa stark in Solarenergie investiert.

Gibt es auch Branchen, die jetzt schwächer nachgefragt sind als früher?

Eigentlich nicht. Indien hat eine breite Industriebasis, etwa in den Bereichen Stahl, Chemie und Maschinenbau – aber es gibt noch keine Top-Technologie. Die 300 Millionen Menschen starke Mittelschicht wächst zudem weiter und hat laufend höhere Qualitätsansprüche. Das Wachstum wird immer stärker.

Was gibt es beim Markteinstieg zu beachten? Und was können Österreicher von Indern lernen? Die Fortsetzung des Interviews folgt morgen auf www.indische-wirtschaft.at.

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