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Das Match der Kulturen: Deutschland vs Indien

Geert Hofstede ist ein international anerkannter niederländischer Experte für Kulturwissenschaften. Bekannt wurde er mit seinem Modell der Kulturdimensionen, welches den Einfluss der jeweiligen „Kultur“ auf das Verhalten von Unternehmen, Organisation und Führung beschreibt.
Anhand dieses Modells wollen wir Indien mit Deutschland vergleichen, aber keine Pauschalaussagen treffen.

Hofstede identifizierte folgende fünf Kulturdimensionen:

  • Der Power Distance Index (PDI) bewertet wie stark die schwächeren Mitglieder Machtunterschiede und Ungleichheit in Gesellschaft/Familie/Organisation empfinden. Objektiv gesehen gibt es kaum ein Land, wo Ungleichheit so stark ausgeprägt ist (Kastenwesen sowie Armut-Reichtum). Dass Indien die Skala nach oben hin nicht sprengt, liegt wahrscheinlich daran, dass sich trotz der extremen Unterschiede die Unzufriedenheit in Grenzen hält („im nächsten Leben wird’s besser…“).
  • Individualism (IDV) beschreibt die relative Wichtigkeit der individuellen, persönlichen Ansprüche – im Gegensatz zum Kollektivismus, wo die Gruppe den höchsten Stellenwert genießt. Hier liegt Deutschland und Indien im Mittelfeld überraschenderweise relativ knapp beisammen, wobei der Stellenwert der indischen Familie, Kaste, Community doch schwerer wiegt als bei bei uns.
  • Masculinity (MAS) zeigt, ob in einer Gesellschaft eher „männliche Werte“ (wie Leistung und Wettbewerb) oder „weibliche Werte“ (Gefühle und Fürsorge) zählen. Auch hier lassen sich nach Hofstede kaum Unterschiede zwischen unseren beiden Kulturen erkennen. Jedenfalls ist Indien weniger „maskulin“ als man denken würde. Wettbewerb als auch Emotionalität sind stark ausgeprägt, heben sich in Summe aber wieder auf.
  • Uncertainty Avoidance Index (UAI) beschreibt wie viel Unsicherheit oder Mehrdeutigkeit für die Mitglieder einer Kultur akzeptabel ist. In Mitteleuropa gehen wir eindeutig weniger gelassen mit Unsicherheit um als in Indien – leicht zu erkennen an unseren Überregulierung und Paragraphenjungel. Wer Indien kennt, weiß, dass dort nur die Unsicherheit sicher ist – eine ganz besondere Herausforderung im Geschäftsleben. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ist Trumpf. Das wiederum ist nicht unbedingt unsere Stärke.
  • Long-Term Orientation (LTO) beschreibt wie Zeit in verschiedenen Kulturen erlebt wird. In unserem Kulturkreis wird ein Moment oder einer Handlung absolut isoliert bewertet – in Indien aber viel stärker im Gesamtkontext und Zusammenhang betrachtet. Daher sind Entscheidungen in Indien für uns oft nicht nachvollziehbar – weil das Ergebnis durch die Vergangenheit beeinflusst und die Wirkung in der Zukunft betrachtet wird. Die Behauptung dass Inder für den Moment leben stimmt jedenfalls nicht in Bezug auf Beziehungen und Entscheidungen.

    (Wolfgang Bergthaler; Grafik: http://geert-hofstede.com)

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    Wolfgang Bergthaler

    Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
    Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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