Interkulturelles Skurriles & Kurioses

Der öffentliche Verkehr in Delhi – ein Erlebnisbericht

Aufgabenstellung: So schnell, günstig und „komfortabel“ wie möglich vom Nordcampus der Universität in Delhi in die Vorstadt Gurgaon, südlich von Delhi, zu gelangen.

1.Akt – wow
Nach einem 15-minütigen Fußmarsch zur nächsten Station nehme ich die Delhi Metro Richtung Zentrum Neu Delhi (Central Secretariat ist derzeit die Endstation): Ein Investment von 16 Rupien für eine Reise mit State-of-the-art U-Bahnsystem mit Sitzplatz. Zur Technik: Bombadier Zuggarnituren und Tunnel-Technik aus Österreich. 2 Welten: moderne Unterwelt als krasser Gegensatz zu den Basaren und dem Getümmel des mittelalterlichen Old Delhi darüber. Aufwand: 25 Cent und 30 Minuten.

2.Akt – schön
Auf Grund des schönen Wetters und mangels Busstation in Sichtweite, 1-2 Kilometer zu Fuß durch das grüne Zentrum Neu Delhis, mit seinen breiten Boulevards und Regierungsgebäuden. Keine Kosten, etwas „frische“ Luft und Bewegung.

3.Akt – danke
Weiter Richtung Süddelhi: Doch wo finde ich die nächste Bushaltestelle? Ein kurzer Blick auf den Stadtplan kombiniert mit meinem Orientierungssinn bringt mich zu Safdar Jung / A.I.I.M.S. Den Fußweg spare ich mir durch die Hilfe eines Auto-Riksha Fahrers (auch TukTuk); In 5 Minuten waren wir da, ich 20 Cent los – sowie 5 Cent extra für seine Hilfe.

4.Akt – laut
Ich brauche einen Bus weiter Richtung Süden, zum Beispiel nach Qutub Minar / Mehrauli. Nach ein paar Minuten Herumirren und Nachfragen springe ich in einen Bus, der angeblich dorthin fährt. Weitere 30 Minuten Fahrzeit, viel Staub und laute Bollywood-Musik inklusive, für umgerechnet 20 Cent. Das ist okay – immerhin legen wir 10 Kilometer zurück, beziehungsweise schieben uns durch den Stau.

5.Akt – eng
Wie geht es nun weiter? Gemeinschaftstaxi! Das sind Jeeps oder kleine Minibusse, die auf der Rückreise von ihren Call-Center-Touren sich extra Geld verdienen und das Auto mit Personen nach Tetris-Algorithmus füllen. Wir waren in der ersten Reihe alleine 5 Leute, ich konnte mich aber leider nicht umdrehen um zu sehen, wie viele Personen auf der Rückbank waren. 15 dürften wir schon gewesen sein. Für umgerechnet 15 Cent komme ich meinem Reiseziel näher, inklusive viel Herzklopfen und abermals lauter Musik sowie intensiven Körperkontakt mit meinen Mitfahrern.

6.Akt – fast da
Nach 20-30 Minuten waren wir dann schließlich in Gurgaon. Nach etwas Herumfragen, wie ich denn jetzt am besten in den Sector 56 käme, habe ich mich dann doch für den Bus entschieden. Nach 15 Wartezeit war es dann soweit. Nochmals etwa 15 Cent und los ab die Post. Wieder Bollywood Flair und viel Atmosphäre. Nach 15 Minuten haben wir endlich Sector 56 erreicht.

7.Akt – müde
Zum Gehen war ich mittlerweile schon zu müde. Daher habe ich den letzten Kilometer mit einer Fahrrad Riksha zurückgelegt. Wieder ein paar Rupien und ein paar Minuten.

In Summe habe ich 6 Verkehrsmittel (Metro, zu Fuß, Bus, Gemeinschaftstaxi, Bus, Fahrrad Riksha) benutzt, war etwa 3 Stunden unterwegs und unterhalten. Die Reisekosten waren mit umgerechnet etwa einem Euro überschaubar.

Wenn ich das nächste Mal diese Reise auf mich nehme, werde ich 80% des Weges mit der Metro zurücklegen, die bis Gurgaon verlängert wird. Die Reise wird damit um einiges komfortabler, wesentlich kürzer aber weniger spannend.

(Wolfgang Bergthaler)

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About the author

Wolfgang Bergthaler

Wolfgang Bergthaler ist seit 2004 mit Indien beruflich und privat eng verbunden. Als Entrepreneur, Berater und Blogger hat er Land und Wirtschaft von den spannendsten Perspektiven kennen gelernt.
Auf "Indische Wirtschaft" teilt er seine Erfahrungen, insbesondere zu den Themen IT Outsourcing, Tech Startups, Marketing und Vertrieb.

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