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Indische Unternehmen zahlen früher als chinesische

Lieferungen auf Ziel waren vor zehn Jahren in Indien und China noch relativ unbekannt. Heute ist dies laut einer Studie von Coface, ein österreichischer Kreditversicherer, der das Zahlungsverhalten von Unternehmen in China und Indien vergleicht, weit verbreitet. Während der Trend in Indien auf die starke Konkurrenzsituation zurückzuführen ist, stellt er in China, wegen der Liquiditätsschwierigkeiten der Firmen, eine Notwendigkeit dar.

Lieferantenkredite werden von 65 Prozent der chinesischen und 72 Prozent der indischen Unternehmen gewährt. Die beiden Länder übernehmen damit allmählich die internationalen Standards. Der Trend scheint sich auch noch weiter zu verstärken, denn seit der letzten Studie ist der Wert in China um elf Prozentpunkte gestiegen. In Indien gab sogar jede dritte Firma an, die Lieferungen auf Ziel im letzten Jahr erhöht zu haben. In China ist diese Veränderung auf die Zahlungsschwierigkeiten der Unternehmen und in Indien auf die starke Konkurrenz zurückzuführen.

„Somit haben sowohl in Indien als auch in China Unternehmen offene Forderungen. Im Allgemeinen werden in Indien Rechnungen innerhalb von 30 Tagen ab Fälligkeitsdatum bezahlt, in China dagegen sind 60 Tage Standard, nur bei 35 Prozent werden 30 Tage als Zahlungsziel vereinbart,“ so Martina Dobringer, Generaldirektorin Coface Austria und Coface Central Europe.

Ausgewogeneres Wachstum in Indien

Beide Länder scheinen bei der Bekämpfung der Krise erfolgreich zu sein. 2009 wird das Wirtschaftswachstum weiter hoch sein. Bedeutende strukturelle Veränderungen wurden bereits durchgeführt. Um die Krise zu bewältigen konzentriert sich China auf die Erweiterung der Produktpalette in der Spitzenindustrie. In einigen Sektoren – vor allem in jenen mit geringer Wertschöpfung (Textilien, Schuhe, Spielwaren) und hohen Überkapazitäten (Automotive, Bau, Stahl) – wird die Anzahl der Marktteilnehmer sinken. Diese Bereiche bergen auch das höchste Risiko an Zahlungsausfällen.

In Indien ist das Wirtschaftswachstum ausgeglichen – 5,8 Prozent im 1. Quartal 2009 im Vergleich zu 5,1 Prozent im 4. Quartal 2008. Die Höhe der offenen Forderungen sollte relativ stabil bleiben. „Die Firmen brauchen jedoch externe Finanzmittel und leiden daher unter der anhaltenden Kreditkrise. Sollte eine weitere Krise kommen, werden die Zahlungsausfälle ansteigen,“ warnt Dobringer.

Bei offenen Forderungen bevorzugen die chinesischen Unternehmen die gütliche Betreibung. Indische Firmen können sich auf ein stabileres Geschäftsklima stützen und es stehen ihnen eine Reihe von gerichtlichen Betreibungsmaßnahmen zur Verfügung.

Die beiden Studien wurden zwischen September und Dezember 2008 durchgeführt und umfassten 556 Unternehmen in China und 694 in Indien. (Stefan Mey)

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